1. Grundriss und Kirchenraum
Die 1958 von dem Bielefelder Architekten J. G. Hanke entworfene Kirche zeigt die Ansätze einer würdigen und zweckentsprechenden Auffassung von einem Gotteshaus, das "die Sprache der Zeit (spricht), ohne modisch zu sein." Bei Fachleuten gilt sie im Kirchenbau unseres Raumes als "wegweisend" und "als die schönste Kirche der Stadt".
Der Entwurf entstand erkennbar deutlich vor dem 26. September 1964, als die Instruktion für die heilige Liturgie aufgrund des II. Vatikanischen Konzils bekannt gegeben wurde.
Den Grundriss der Kirche bildet ein unregelmäßiges 6 - Eck (Breitraum-Form), verwirklicht also das Konzept eines Zentralbaus. Alle Bereiche der Kirche sind - trotz verschiedener Aufgaben - in einem einzigen Raum koordiniert. Der Architekt hat bei seiner Arbeit Anregungen von Le Corbusier (Ronchamp) und Matisse (Chapelle du Rosaire in Vence) verarbeitet. Zentraler Ort im Kirchenraum ist der Altar; ihm kann sich die Aufmerksamkeit der Gemeinde ohne Ablenkung zuwenden. Linienführung und Bestuhlung schließen die Gemeinde zu einer Betgemeinschaft zusammen. Der Priestersitz findet in der Altarachse seinen Platz, weil diese Stelle an der vierten Seite des Altares im Angesicht der Gemeinde dem Präsidialamt des Priesters angemessen ist.
Die Liborikirche darf damit als "Symbol für die Gemeinschaft der Gläubigen mit Christus" gelten.
Neben der Schaffung eines Breitraumes galt der Lichtführung das besondere Interesse des Architekten. Die ursprünglich farbigen Fensterentwürfe, die die "rosa mystica" symbolisierten, stammten von Georg Richter. Sie mussten 1988 verändert werden (Entwürfe von Prof. Buschulte). Jetzt einfarbig, zeigen sie auf der rechten Seite in geometrischer Gestaltung ein Kreuzsymbol.
Auch in den weiteren Gestaltungselementen ist die (alte) Vielfalt der symbolischen Bezüge des Kirchbaus aufgegeben zugunsten weniger, deutlich herausgehobener Symbole, Statuen und Bilder.
2. Die Taufkapelle (unter dem Turm)
Sie ist seit 1964 mit drei Mosaiken der Künstlerin Christel Poll geschmückt. Zentrum des mittleren Bildes ist der thronende Christus als Weltenherrscher. Maria zu seiner Rechten verweist auf die menschliche Existenz Christi. Johannes der Täufer zu seiner Linken bezeugt ihn als "Lamm Gottes". Die beiden Engelgruppen erinnern an Christus, den Gott.
Rechts und links erweitern zwei Bildreihen die Bedeutung Christi in ihrer Auswirkung auf alle Christen. Die jeweils 6 Apostel auf den beiden Seiten repräsentieren alle Getauften, die Gesamtkirche. Sie blicken auf zu Christus, hören auf ihn.
Die ebenfalls rechts und links einbezogene Darstellung des "Himmlischen Jerusalem" stellt den Zusammenhang her zwischen der realen Kirche und dem (idealen) Reich Gottes. Das Himmlische Jerusalem ist damit Bild für die zukünftige, vollendete Form des Gottesreiches.
Die Voraussetzung und den (realen) Beginn für den Weg zum Himmlischen Jerusalem setzt das Taufgeschehen. Es ist versinnbildlichet durch das kaskadenförmige Wasser der seitlichen Bildreihen.
3. Marienkapelle
Zentrum der Marienkapelle ist die Madonnenplastik von Hans Grohe. Sie hatte ursprünglich ihren Platz an der linken Seitenwand. Im Zuge einer Umgestaltung der Kirche fand sie aber ihren eigenen, angemessenen Platz in diesem Andachtsraum.
Die dunkle, sehr schmale und hohe Gestalt der Muttergottes hebt sich deutlich von der hellen Wand des Raumes ab. Maria hält dem Betrachter das Christuskind entgegen und weist damit unübersehbar auf Jesus, den Mittler und Erlöser hin. Andererseits scheint sie aber jetzt auf den "Mittelpunkt' der Kirche hinzudeuten. In diesem Zentrum steht der Altar, das Symbol für Christus.
Würdig ergänzt wurde der Raum 1987 durch einen eigens gestalteten, kostbaren Kerzenhalter.
4. Wandteppich (Altarbild)
Der Altarraum ist mit einem 7.90 Meter hohen und 5.43 Meter breiten Wandteppich nach einem Entwurf der Künstlerin Ingrid Moll - Horstmann geschmückt. Er gestaltet Matth.13, 31-32 ("Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Senfkorn ..." ). Der Baum "wächst" gleichsam aus dem Altar heraus und bildet den Abschluss und die Erweiterung des sich trichterförmig öffnenden ("ins Unendliche") Chorraumes. Der Wandteppich versinnbildlicht: die Zukunft wird die beeindruckende Größe der Heilswirklichkeit des Gottesreiches erweisen. Es liegt darin Trost und Hoffnung gegen eigenes Versagen.
5. Tabernakelsäule und Ambo
Mit der Reform der Liturgie hat der Tabernakel seinen Platz in einer Säule (aus Sicht der Gemeinde) links des Altares gefunden, die - wie der Ambo - als Ganzes von dem Bildhauer Hans Grohe entworfen wurde.
Die Säule verbindet gleichsam die Erde mit dem Himmel. Im unteren Teil ist "das Zelt Gottes bei den Menschen", der Tabernakel, eingearbeitet. Dieser ist äußerlich mit einigen Amethysten geschmückt. Die Säulenabschnitte darunter und darüber zeigen zwei verschiedene Menschengruppen: unterhalb des Tabernakels ist das Mannawunder in der Sinaiwüste zu sehen, oberhalb ist Jesus als das Brot des Lebens dargestellt. Die Menschen um ihn herum verhalten sich ebenso unterschiedlich wie die auf dem Ambo: die einen wenden sich von ihm ab, die anderen drücken in ihrer Haltung Ergriffensein, Staunen und Anbetung aus. Es wird deutlich, dass sich an Jesus die Geister scheiden.
Der Ambo besteht aus hell- und dunkelgrauem Gestein. Aus dem Stein sind einige menschliche Figuren herausgearbeitet, in deren Mitte Jesus als Verkünder des Wortes Gottes steht.
Die Menschen verhalten sich recht unterschiedlich ihm gegenüber: die einen bekunden Desinteresse, ja Ablehnung, die anderen dagegen Bereitschaft, Jesu Botschaft zu vernehmen. Die Darstellung erinnert an das Gleichnis vom Sämann. Die Hörenden werden zu Nachfolgenden. Das sind die, die das Wort Gottes dankbar und glaubend angenommen haben.
6. Kreuzweg
Außer durch den Wandteppich wird die Kirche entscheidend durch den ebenfalls von der Paderborner Künstlerin gestalteten Kreuzweg (1980/81) geprägt. Erweitert ist der Kreuzweg durch das gesondert hängende Osterbild (Auferstehungssymbol). Damit können diese Kunstwerke Kar - und Osterliturgie anregen und vertiefen können. Neben Komposition und Struktur sind es besonders die Farben, die dem Betrachter den Zugang zum Dargestellten eröffnen: dunkle Farben (Violett o Trauer, Leiden; Grau u. Schwarz o Dunkelheit, Nacht der Sünde als Ursache für Christi Leiden) aber auch helle, Hoffnung verheißende Farben: Weiß, Grün und glühendes Orange.
7. Liboriusstatuen
Seit 1984 schmückt die Kirche eine Liboriusstatue aus dem 18. Jahrhundert (Abguss eines Originals aus dem Diözesanmuseum in Paderborn).
Damit ist der Pfarrpatron auf Dauer in der Kirche gegenwärtig. Den endgültigen Platz erhielt diese Statue (zusammen mit der Pieta) 1987 jeweils vor den Wandelementen, die den Abschluss des Kirchenraumes und die Öffnung des Chorraumes gleichzeitig bilden. Eine weitere (jetzt ebenfalls gefasste) Liboriusstatue (vermutlich eine Arbeit des 19. Jahrhunderts) hat seit Dezember 2002 ihren Platz in der Nähe der Marienkapelle. Die früher ebenfalls gefasste Statue war "gereinigt" in den Besitz der Gemeinde gekommen. Nachdem ein Gemeindemitglied sie neu gefasst hat, ergänzt sie würdig den Schmuck unserer Kirche.
8. Pieta
Die aus Holz geschnitzte und farbig gefasste Pieta (seit 1982 eine Leihgabe des Diözesanmuseums Paderborn) ist die Arbeit eines unbekannten Künstlers aus dem Süddeutschen Raum. Sie ist um 1680 entstanden.
9. Altarraum - Altarfuß - Ambo - Taufbecken - Osterkerzenleuchter
Der Altarraum ist mit Marmorplatten in Form eines gleichseitigen Dreiecks ausgelegt (Symbol des dreieinigen Gottes; Zahl der Vollkommenheit). Diese Platten wiederum verbinden sich - der Form des Altarraums folgend - zu einem regelmäßigen Sechseck und weisen auf Schöpfung und Erlösung ebenso wie auf die irdische Zeitlichkeit hin.
Die Form des Sechsecks ist wieder aufgenommen in der Form des Taufbeckens, im Altarfuß, im Tabernakel und in dem neuen Osterkerzenleuchter, den der polnische Künstler Micek Slawomir (Kielce) für diese Kirche angefertigt hat. (Auch der Ambo folgt dieser Form.)
10. Glocken
Das vom Gussstahlwerk Bochumer-Verein gegossene Salve-Regina-Geläut besteht aus folgenden vier Glocken: es'' in Dur-Oktavrippe, g' und b' in Moll-Oktavrippe und c'' in Sext-Rippe. (Gesamtgewicht: ca. 2800 kg)
Die Schlagtonmelodie es - g' - b' - c'' entspricht den naturreinen Intervallverhältnissen. Mit Absicht wurden verschiedene Glockentypen (Rippen) gewählt, um so größtmögliche Farbigkeit, Klangreinheit und Harmonie zu erzielen.
Daten aus der Chronik
1958
1. Mai: Erhebung der Pfarrvikarie St. Libori als 29. Gemeinde des Dekanats mit ca. 1800 Gemeindemitgliedern
25. Oktober: Erster Spatenstich durch Bischof Vitus Chang (China)
1959
1. Februar (Sexagesima): Grundsteinlegung durch Dechant Heinrich Sunder
23. Juli: Errichtung des Stahlkreuzes Christkönigfest: Weihe der Glocken
12. Dezember: Kirchweihe (d. Lorenz Kardinal Jaeger)
1980
12. September: Fertigstellung der Kreuzwegstationen
19. Dezember: Fertigstellung der Beichtkapelle
1980/81
Innenrenovierung (Malerarbeiten) und Verbesserung der Beleuchtungsanlage
1982
8. Juli: Aufstellung der Pietä
1984
2. April: Aufstellung des HI. Liborius
1990
10. Juni : feierliche Einweihung des Libori-Heimes
2002
Umfassende Renovierung des Innenraumes, Ergänzung der Beleuchtungsanlage und Aufstellung und Weihe des restaurierten Liborius

Die Pfarrkirche St. Liborius hat sich "aus bescheidenen Anfängen" im Laufe der Zeit zu einer auf den ersten Blick schlichten, vielleicht sogar unscheinbar erscheinenden Kirche entwickelt. Sie lädt aber den aufgeschlossenen Betrachter sowohl zum betrachtenden Verweilen als auch zum Beten ein. Im Ganzen repräsentiert sie harmonisch das religiöse Empfinden unserer Zeit.